Reisebericht: Palmblattbibliothek - Its All Written

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Vor ein paar Tagen war ich in der Palmblattbibliothek. Hier kannst Du meinen Reisebericht aus Indien lesen. 

Reisebericht zur Palmblattbibliothek 

Vor ein paar Tagen war ich in der Palmblattbibliothek, und musste dieses Erlebnis erst mal verarbeiten. Meine Erwartungen von einer Bibliothek im „Harry Potter“ Style konnte ich schon im Vorhinein ablegen, und ich war schon gefasst auf einen kleinen Raum in einem Haus irgendwo in Chennai. Als ich dann aber vor der Tür stand, dachte ich einen Moment, ob ich wirklich aus dem Auto aussteigen und dort hineingehen soll. Links neben mir stand ein Kasten mit Hühnern, und es roch nach Verwesung. Auf der anderen Seite wusch sich ein Kind auf dem Boden, indem es sich Wasser über den Kopf goss. Als ich meine Blicke im 360 Grad Modus umherschweifen ließ, spürte ich auch viele Augen auf mir, die mich merkwürdig anschauten. Ich packte meine Kamera schnell ein und konzentrierte mich auf den Mann im Eingang, der mich schon erwartete.

Ich gab meinem Instinkt genau eine Sekunde darüber zu entscheiden, ob ich jetzt hier umdrehe und mich wieder in mein hübsches Hotel bringen lasse. Aber der Mann strahlte etwas Sympathisches aus, und ich entschied mich, den Schritt in die Eingangstüre an der schwarzen stinkenden Pfütze vorbei zu wagen. Der Mann begrüßte mich sehr herzlich und brachte mich in einen Raum, der wohl die Größe eines kleinen Abstellraumes hatte. Doch als die Tür aufging und ich den 85-jährigen Nadi Reader sah, war ich total entspannt und fasziniert zugleich. Wie ein Minitempel war der dunkle Raum ohne Fenster mit allen Heiligen geschmückt. Der kleine weise Mann schaute mich an und irgendwie fand ich schon, dass er einen ganz besonderen Zauber ausstrahlte. Ich setzte mich auf ein kleines Holzbänkchen und schaute ihm tief in die Augen. Er lächelte und nickte mir dann freundlich zu. Auf dem Tisch lag ein Bündel mit Palmblättern. „Nur so wenige“, dachte ich... und ließ mich überraschen. Ich sollte mir eine Zahl zwischen 0 und 108 aussuchen, die Zahl auf ein weisses Blatt Papier schreiben und meinen Namen mit Geburtstag dazu. Und schon ging es los.

Er nahm das Bündel Palmblätter in die Hand und wischte einige zur Seite bis er das Richtige gefunden hatte. Und dann geschah etwas Irres, denn er fing an zu singen. Er las nicht vor, er sang von dem Palmblatt und dann sprach er zum Übersetzer. Denn die Palmblätter sind in der tamilischen Sprache beschrieben. Ich werde Euch an dieser Stelle natürlich nicht verraten können, was er alles gesagt hat, aber das, was in der Vergangenheit war und die Gegenwart jetzt, stimmte alles.

Von anderen Palmblattbibliotheken hörte ich, dass man seine Fingerabdrücke abgeben muss,und ich hatte mir auch vorgestellt, dass ich mein Palmblatt finde, das nur für mich niedergeschrieben wurde, aber der Übersetzer sagte mir, dass dies anders zu verstehen sei. Hier möchte ich noch mehr recherchieren und wenn ich etwas dazu herausgefunden habe, werde ich einen Nachtrag dazu verfassen, aber ich kann euch sagen, dass ich bei der einen oder anderen Antwort mit meinen Tränen kämpfen musste, weil ich sehr gerührt war. 

„Wie kann er das wissen“…ploppte auch es öfters bei mir auf.

Ich hatte hier und da schonmal mit Wahrsagern oder Menschen zu tun, die in die Zukunft schauen konnten. Bei meinen Freundinnen ist immer alles eingetroffen, aber bei mir hat es nie gestimmt. Daher habe ich auch die Finger davon gelassen. Aber die Mystik dieser Palmblattbibliotheken hat mich irgendwie angezogen. Wenn das eintritt, was der Nadi Reader mir gesagt hat, dann werde ich mich freuen, wenn nicht, dann freue ich mich genauso. Denn ich liebe das Leben und lebe JETZT!

Eure Yvonne